Krisenpflege

Was bedeutet Krisenpflege

Die beiden Geschwister Kevin (3 Jahre) und Michelle (5 Jahre) haben eine psychisch kranke Mutter. Ihr Zustand hat sich in den letzten Tagen zunehmend verschlechtert und sie benötigt nun eine dringende Behandlung im Krankenhaus.  Während des Krankenhausaufenthaltes muss eine Bleibe für Kevin und Michelle gefunden werden.
Die Mutter ersucht das Jugendamt um Hilfe und die zuständige Sozialarbeiterin schlägt eine Krisenunterbringung bei einer Pflegefamilie vor. Gemeinsam mit der Mutter bringt die Sozialarbeiterin die Geschwister in die Pflegefamilie. Hier werden sie bereits von einer Mitarbeiterin des "Pflegeelternvereins Steiermark" erwartet.
Die Kinder finden für die nächsten Wochen ein Zuhause in einer speziell ausgebildeten Familie, in der sich außerdem ein leibliches und ein weiteres Krisenpflegekind befinden.

Seit Sommer 2008 steht die "Krisenunterbringung im Rahmen Familienpädagogischer Pflegeplätze" in der ganzen Steiermark zur Verfügung. Sie ist eines der ältesten familienergänzenden Unterbringungsangebote des Pflegeelternvereins Steiermark. Schon seit 1995 wurde die Krisenunterbringung für die Stadt Graz angeboten und dabei mehr als 1.000 Kinder in Krisensituationen unterstützt. Nun ermöglicht ein Pilotvertrag [erstmaliger Vertrag]mit dem Land Steiermark, diese Unterbringungsform für drei Jahre im ganzen Bundesland bereit zu stellen. Damit wird ein Angebot ausgeweitet, für das es einen anhaltend großen Bedarf gibt.

In der ganzen Steiermark müssen immer wieder Kinder kurzfristig und außerhalb der Familie untergebracht werden. Die Ursachen für die Krisenunterbringung eines Kindes sind sehr verschieden. Vordergründig gilt als Anlass für eine Krisenunterbringung die momentane Erziehungsunfähigkeit der Eltern. Dahinter stehen oft kritische Lebensereignisse, wie Krankheit des verantwortlichen Elternteils, Misshandlungen, traumatische Erlebnisse [schwere seelische Belastungen]oder laufende Vernachlässigung der Aufsichtspflicht und ähnliches.
Die Verfügbarkeit von Familien in der näheren Umgebung macht es für Kinder/Jugendliche möglich, in der vertrauten Umgebung zu verbleiben. Bestehende soziale Beziehungen können, soweit es dem Kindeswohl entspricht, erhalten werden. 

Krisenunterbringungen sind 24 Stunden täglich, sowie an Sonntagen und Feiertagen möglich.
Die Arbeit der Pflegeeltern steht für eine qualitätvolle, umfassende Versorgung des Kindes.

Jede Familie wird durch eine permanente Begleitung von Seiten des "Pflegeelternvereins Steiermark" unterstützt.

Unterstützungsangebote für Pflegeeltern:

  • Betreuung und Beratung der Krisenpflegeeltern
  • Bereitstellung von Entlastungsmöglichkeiten für Krisenpflegeeltern
  • Supervidierende Begleitung [beratende Unterstützung]
  • Fortbildung der Pflegeeltern zu "Familienpädagogen/innen" (siehe "Lehrgang zur/zum Familienpädagogin/en")
  • Mithilfe bei der Perspektivenklärung [zukünftigen Möglichkeiten] und Planung der weiteren "Versorgung" des Kindes

Derzeit arbeiten rund 70 familienpädagogische Pflegeeltern als Krisenpflegeeltern. Die durchschnittliche Unterbringungsdauer beträgt ca. 8 Wochen.