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Familienbegleitende Pflege

Sandro ist zwei Monate alt und das Kind einer fünfzehnjährigen Mutter.
In diesem Alter braucht er eine regelmäßige und verlässliche Versorgung sowie eine liebevolle Betreuung. Seine Mutter ist bemüht, kann jedoch auf Grund ihrer belastenden Lebenssituation nur sehr eingeschränkt ihrer Aufgabe als Mutter nachkommen. Sie war in ihrer Partnerschaft körperlicher Gewalt ausgesetzt und wurde auf Grund der Schwangerschaft von Sandros Vater verlassen. Sie wohnt bei ihren Großeltern, diese können ihr wegen eigener massiver Beziehungskonflikte keine Unterstützung bieten.
In einem herkömmlichen Pflegeverhältnis könnte die Mutter ihre Rolle nur erschwert wahrnehmen.

Mit der Einführung des Projektes „Familienbegleitenden Pflege“ im Jahr 1997 schloss der "Pflegeelternverein Steiermark" eine Lücke im Angebot der familiennahen Versorgung.

Was ist "Familienbegleitende Pflege"?

Die Familienbegleitende Pflege wird steiermarkweit dann eingesetzt, wenn ambulante [häusliche] Hilfen bei der Bewältigung des Alltags und der Erziehung nicht mehr ausreichen. Wenn gleichzeitig aber eine gute Bindungsbeziehung zwischen Kind und Eltern oder einem Elternteil gegeben ist. Und wenn eine Rückkehr  zu diesen Familienmitgliedern realistisch und absehbar ist. So beispielsweise, wenn eine junge Mutter ihre Schulausbildung abschließen soll.

Für das Kind bedeutet das einen vorübergehenden Aufenthalt bei familienpädagogisch geschulten Pflegeeltern.  Das Ziel ist eine Rückführung des Kindes zu seinen leiblichen Eltern oder zum verantwortlichen Elternteil. In diesem Sinn wird ein laufender Kontakt des Kindes zu seiner Herkunftsfamilie aktiv unterstützt. Familienpädagogische Pflegeeltern haben für die leiblichen Eltern Vorbildcharakter. Im Idealfall schaffen sie durch einen beispielhaften Umgang mit dem Kind die Voraussetzungen für eine Rückführung. Zur Unterstützung gibt es für die Familie eine "Familienbetreuerin". Sie hilft den Eltern dort, wo sie noch Schwierigkeiten haben. Wenn das Kind wieder bei seiner leiblichen Familie wohnt, kann sie die Eltern in den ersten Monaten noch begleiten. 

Für den "Pflegeelternverein Steiermark" ergeben sich folgende Schwerpunkte in der Betreuungsarbeit.

Betreuungsschwerpunkte des Pflegeelternvereins

  • Sorgfältige Abklärung und Planung der Familienbegleitenden Pflege
  • Förderung des Austausches zwischen Herkunftseltern und Pflegeeltern
  • Beratung und Unterstützung der familienpädagogischen Pflegeeltern durch regelmäßige Besprechungen zum Entwicklungsverlauf
  • Ausbildung und Weiterbildung der familienpädagogischen Pflegeeltern
  • Beistellung von konkreten Hilfen zur Sicherung einer Kontinuität [Stetigkeit] zwischen Pflegefamilie und Herkunftsfamilie

Zur Zeit gibt es steiermarkweit etwa 100 familienpädagogische Pflegestellen. Von August 1997 bis August 2011 waren 291 Kinder familienbegleitend untergebracht. 55 Prozent konnten wieder zu ihren Eltern zurückkehren. 13 Prozent der Kinder blieben in der familienpädagogischen Pflegefamilie, für die restlichen 3 Prozent wurden andere Möglichkeiten der Unterbringung gesucht.

Eine Besonderheit des Projektes stellt die gemeinsame Unterbringung von jungen Müttern und Kindern dar. [Mutter-Kind-Unterbringung].